Elektromobilität in Deutschland, ein Erfahrungsbericht

Seit einem Jahr fahre ich mittlerweile eine Renault ZOE mit einem 41 kWh Akku. Als wir das Fahrzeug beim Händler abholten stand ein Musterwagen auf dem Hof mit der Aufschrift „400 km Reichweite“. Ich weiß nicht, was sich die Händler und Marketingfachleute von so einem Unsinn versprechen. Als wir ins vollgeladene Fahrzeug eingestiegen sind, stand auf der Reichweitenanzeige 298 km. Immerhin. 298 km ist ja schon mal was und wir konnten den Weg von Neustadt an der Saale nach Rüsselsheim auch problemlos zurücklegen.

Seit dieser Zeit habe ich das Fahrzeug nur für kürzere Strecken benutzt, maximal 100 km von Rüsselsheim weg und wieder zurück. Geladen wird an der 32 A Drehstromsteckdose am Büro mit 22kW. Manchmal zumindest, denn oft ist der „State of charge“ des Akkus zu hoch oder die Temperatur zu niedrig. Dann entscheidet sich die Ladeelektronik des Fahrzeugs für eine geringere Ladeleistung. Gesagt hat mir das vorher niemand. Warum eigentlich nicht ? Die meiste Zeit lade ich allerdings ohnehin sortenreinen Solarstrom mit 3kW von der eigenen Photovoltaikanlage.
Um es klar zu sagen. Ich bin mit dem Fahrzeug total zufrieden. Es war als Zweitwagen gedacht, ist aber im Büro schnell zum Erstwagen geworden und für 95% aller Fahrten völlig ausreichend. Es ist also eigentlich überhaupt nicht notwendig dem Kunden wichtige Informationen über sein Fahrzeug vorzuenthalten. Was soll der Blödsinn. Das Fahrzeug ist ausgereift, fährt sich toll und kann zu Hause oder im Büro mit umweltfreundlichem Solarstrom betankt werden. Was will man mehr ?

Die Solartankstelle bei uns am Büro
Die Solartankstelle bei uns am pvBuero. Hier gibt’s immer Strom und oft sogar sortenreinen Solarstrom.

Dann, mutig und neugierig geworden, habe ich es nach einem Jahr zum ersten Mal gewagt, eine weitere Strecke mit dem Elektromobil zurück zu legen. Die Strecke führte in den Schwarzwald. Es genügte unterwegs eine kurze 20 minütige Zwischenladung an einer Autobahn Raststätte. Die Ladesäule der EnBW war ganz am Ende der Rastanlage. Dann begann das große Rätseln, wie man hier wohl zu Strom kommen würde. Es gab ein Display und ein Lesegerät für EC Karten. Das Display war im grellen Sonnenlicht leider nicht lesbar. Man hat also mit Mühe und Not versucht irgendwas zu lesen, auf Start zu drücken und … Tatsächlich setzte der Ladevorgang ein. Die Fahrt konnte nach der kurzen Kaffeepause fortgesetzt werden und das Ziel wurde problemlos erreicht. Auf der Rückfahrt konnte ich dann sogar das Display lesen und war überrascht, dass man pauschal 5.-€ zahlen muss, egal wieviel man tankt. Bei 10 kWh Betankung waren das dann satte 50 Cent/kWh.

Immerhin hatte es wenigstens funktioniert, dass man einfach so laden konnte. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, sollte sich bei meiner nächsten Tour zeigen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mit dem E-Mobil zur Intersolar nach München zu fahren. Unsere Übernachtung war in Pfaffenhofen an der Ilm nördlich von München. Mit vollgeladener ZOE sind wir also gestartet, auf die Abenteuerreise durch Automobilland Deutschland.
Bevor der ein oder andere Profi Elektromobilist beim Lesen der folgenden Zeilen die Augenbrauen hochzieht: Klar kann man sich vor einer längeren Tour alle möglichen Tankstopps bereits im Netz ansehen, man kann sich Ladekarten besorgen und Smartphone-Apps installieren. All das habe ich nicht getan. Wenn man mit einem Beziner oder Diesel unterwegs ist, muss man das doch auch nicht machen. Man fährt einfach los und wenn der Sprit alle ist, fährt man zur nächsten Tankstelle. Wenn Elektromobilität in Deutschland wirklich gefördert würde – wie es immer heißt – so müsste es doch mindestens genauso einfach sein mit dem E-Auto zu reisen wie mit dem Verbrenner. Im Idealfall sollte es doch sogar wegen der „Förderung“ noch einfacher sein…

Genug der Vorrede und rein ins Abenteuer.
Am geplanten Tankstopp an der Autobahnraststätte Haidt an der A3 hinter Würzburg gab es gleich die erste Überraschung. An den Ladesäulen war es nicht wie bei EnBW Säulen an der A5 möglich, mit EC Karte zu zahlen. Hier musste man sich zunächst eine APP der Innogy aufs Smartphone laden. Mit dieser App musste man dann eine Zahlung über Paypal oder Kreditkarte über 7,95.-€ leisten, bevor die Ladung schließlich begann. Das Ganze hat dann auch funktioniert und in ca. 1 Std. war die ZOE wieder auf 90% ihrer Kapazität aufgeladen. Angekommen sind wir mit ca. 120 km Restreichweite und losgefahren sind wir mit 255 km Reichweite in Richtung Pfaffenhofen an der Ilm.
Wir waren erstmal happy, dass alles geklappt hat und dass wir wieder auf der Strecke waren. Bei Lichte betrachtet ist es allerdings schon befremdlich, welchen Hürden man ausgesetzt ist, wenn man elektrisch durch Deutschland fährt. Man stelle sich mal vor, ein Bezinfahrer müsste an der Tankstelle zuerst mal eine APP auf sein Handy ziehen, um sich mit Treibstoff versorgen zu können. Warum kann man an einer Stromtankstelle nicht ganz normal, wie an einer Bezintankstelle tanken und anschließend in der Tankstelle bezahlen ? Das wäre vielleicht zu einfach.
Doch die Geschichte geht weiter. Die nun getankte Strommenge sollte gerade so bis Pfaffenhofen reichen. Da wir noch Lust auf eine kurze Pause hatten und an der A9 eine weitere Stromtankstelle, diesmal von E.ON lockte, haben wir einen weiteren Zwischenstopp mit einem Ladeversuch eingelegt. Leider war der Ladestation auch nach Installation einer weiteren APP keine Kilowattstunde Strom zu entlocken. An einem kleinen Display an der Seite war der Schriftzug „Warten auf Inbetriebnahme“ zu lesen. Hier wird es also offenbar erst in Zukunft Strom für Elektroautos geben.

keine Lademöglichkeit bei E.OFF
keine Lademöglichkeit bei E.OFF

Egal, die Dame vom Hotel in Pfaffenhofen hatte mir gesagt, dass es in unmittelbarer Nähe des Hotels eine Ladestation gäbe und dass wir dort unser Fahrzeug über Nacht tanken könnten. Die besagte Ladestation hatten wir zunächst nicht gefunden, dafür eine an einem Kundencenter des Bayernwerks. Zu meiner Begeisterung musste ich aber schnell feststellen, dass diese Station nur mit einer Kundenkarte des Bayernwerks zu benutzen war und die konnte man um 22:00 Uhr abends beim besten Willen nicht mehr käuflich erwerben. Nun war guter Rat teuer. Das Internet förderte noch eine weitere Ladestation in Pfaffenhofen zu Tage am Hauptplatz, zentral gelegen und unweit unseres Hotels. Dort eingetroffen musste ich jedoch feststellen, dass man hier die Kundenkarte der Stadtwerke Pfaffenhofen benötigt, die man als Rüsselsheimer natürlich immer griffbereit dabei hat.

Warum benötigt man überall andere Ladekarten ?
Warum benötigt man überall andere Ladekarten ?

In diesem Moment kam bei mir erstmals die Frage auf, ob das eigentlich ein Witz sein soll ? Ich dachte die Elektromobilität stünde in Deutschland ganz oben auf der Agenda. Klimaschutz sei ein wichtiges Thema.
Nein eigentlich dachte ich das nicht. Um ehrlich zu sein, hatte ich es nicht anders erwartet. Während man in China flächendeckend elektrische Linienbusse in Großstädten einsetzt, liegt Deutschland weiterhin im Tiefschlaf und deutsche Hersteller bekommen noch nicht mal einen Prototyp auf die Reihe. Deutsche Automobilhersteller müssen sich von einem amerikanischen Startup Unternehmen zeigen lassen, wie man eine Infrastruktur aufbaut. Das ist schon einigermaßen armselig. Als Elektroautofahrer kommt man sich hier vor wie in einem Entwicklungsland.

Tesla macht vor, wie man eine einfache Ladeinfrastruktur aufbaut
Tesla macht vor, wie man eine einfache Ladeinfrastruktur aufbaut.

Wie soll das hier eigentlich weitergehen? Ich dachte, die Automobilindustrie sei eine der deutschen „Schlüsselindustrien“? Es ist erschreckend, wie man hier im Land Zukunftsoptionen sehenden Auges verschläft. Leicht entnervt falle ich in mein Bett. Voller Vorfreude auf den morgigen Tag und die spannende Frage, wie ich wohl meine Batterie wieder gefüllt bekomme, für die Reise von Pfaffenhofen nach München.

Am nächsten Morgen dann der bange Anruf bei den Stadtwerken Pfaffenhofen mit der bangen Hoffnung auf Abhilfe aus der misslichen Situation. Die nette Dame am Telefon lädt uns sofort ein, doch bei den Stadtwerken vorbei zu kommen. Hier gäbe es einige Ladestationen und man würde uns „auf’s Haus“ ein paar kWh spendieren. Klasse. Angekommen bei den Stadtwerken sind wir gleich voll im Thema: Elektromobilität, Klimaschutz, Bürgerenergie, Photovoltaik. Der Fachmann der Stadtwerke für Elektromobilität Herr Robert Pfab wird uns vorgestellt und nachdem ich geschildert habe, dass wir beabsichtigen, für 3 Tage in Pfaffenhofen zu bleiben, wird sofort überlegt, wie man uns mit einer Ladekarte ausrüsten könnte, damit wir direkt in der Nähe unseres Hotels am Hauptplatz in Pfaffenhofen tanken könnten. Da man auf unerwartet eintreffende Fremd-e-mobilisten offenbar nicht eingestellt ist, bekommen wir spontan leihweise die Ladekarte von Herrn Pfab und ziehen wieder ab in Richtung Ladestation am Hauptplatz. Der Ärger über die Umstände, die die ganze Aktion verursacht hatte, war spontan verflogen und wich einem breiten Lächeln. Es gibt überall Menschen, die sich für unsere gemeinsame Sache „die Bürger-Energiewende“ stark machen, wenn es auch zugegeben noch an vielen Stellen hakt. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an die netten Mitarbeiter der Stadtwerke Pfaffenhofen.
Zurück am Hauptplatz in Pfaffenhofen kommt dann der nächste Haken. Die Station lädt nur mit 11kW und die angezeigte Ladezeit unserer ZOE beträgt 5,5Std. Da wird es für die erste Vorkonferenz zur Intersolar, das Treffen der Solarallianz, wohl nicht mehr reichen.

Schöne Ladestation der Stadtwerke Pfaffenhofen, wenn man viel Zeit hat. Laden ist leider nur mit 11kW möglich.
Schöne Ladestation der Stadtwerke Pfaffenhofen, wenn man viel Zeit hat. Laden ist leider nur mit 11kW möglich.

Nach einem Kaffee auf dem schönen Hauptplatz in Pfaffenhofen brechen wir die Laderei ab und fahren in Richtung München. An der Autobahnauffahrt zur A9 soll es eine große Tesla Ladestation geben. Vielleicht können wir dort ja noch mal etwas schneller mit 22kW nachladen ? Ein Anruf am Vorabend hatte ergeben, dass es dort angeblich nur Tesla-Supercharger geben soll. Das hatte die nette Dame am Telefon steif und fest behauptet. Als wir in Schweiterskirchen an der A9 ankamen, konnten wir jedoch feststellen, dass die Mitarbeiter der Rastanlage offenbar selbst noch nicht mitbekommen hatten, dass es neben den 8 Teslachargern auch noch 3 kombinierte Typ 2 und Chademo Ladestationen gab. Auch hier war – wir kannten das Prozedere ja mittlerweile – wieder der Besuch auf einer Website fällig, auf die man mittels QR Code weitergeleitet wurde. Nach erkennungsdienstlicher Feststellung des Standortes am Handy konnte man sich für eine Kreditkarten oder Paypalzahlung über 8,50.-€ entscheiden. Ganz schön teuer für eine kleine Zusatzladung von 10 kWh um sicher nach München zu gelangen. Egal. Schließlich waren wir ja dabei die Möglichkeiten der E-Mobilität in deutschen Landen zu testen. Nach einer weiteren halben Stunde an der Schnellladestation ging es nach München. Unser Termin wurde sogar noch rechtzeitig erreicht und die Ladung war sogar noch ausreichend für die Rückfahrt nach Pfaffenhofen. Nun war alles ganz easy. Wir steuerten die Ladestation in unmittelbarer Nähe unseres Hotels an und mit der Ladekarte des netten Stadtwerkemitarbeiters wurde über Nacht voll getankt.
In den nächsten beiden Tagen lief alles wie geschmiert. Wir konnten Abends in Pfaffenhoffen mit der Karte des Stadtwerkemitarbeiters tanken und am nächsten Morgen mit voll getankter ZOE wieder nach München reinpendeln. Auch die Weiterfahrt nach Siegsdorf in der Nähe des Chiemsees war ohne Probleme mit der Vollladung in Pfaffenhofen möglich.
In Siegsdorf Hammer gab es dann die Möglichkeit, in unserer Unterkunft direkt an einer 230V Steckdose über Nacht wieder voll zu tanken. Alles kein Problem. Dadurch, dass E-Mobilität noch nicht gang und gäbe ist, kommen bei der Organisation der Lademöglichkeiten dann auch immer nette Gespräche zustande, bei denen man zu allen Details und vor allem den Praxiserfahrungen ausgefragt wird. Ein wenig schmunzeln musste ich noch, als unsere Gastgeberin uns für 3 mal Tanken jeweils 12.-€ abrechnen wollte. Nachdem ich zu bedenken gab, dass wir höchstens 40 kWh getankt hatten wurde mir dann eine 12.-€ Pauschale erlassen.

Die Rückfahrt wurde dann wieder zu einem echten Abenteuer. Geplant war ein erster Zwischenstopp in Ulm. Von Siegsdorf nach Ulm sind es 253km. Laut Reichweitenanzeige der ZOE sollten 280km möglich sein. Die Bordsoftware möchte beim Einstellen des Ziels allerdings einen Tankzwischenstopp einschieben. Ich beschließe gemächlich zu fahren und möchte versuchen, Ulm zu erreichen. Wenn man mit einem Schnitt von 110km/h fährt klappt es auch in etwa, die angezeigte Reichweite zu erreichen. Wir kommen schließlich gerade so mit 30km Restreichweite in Ulm an unserer vorher ausgesuchten Ladestation “Hafenbad 25” in Ulm an. Bis zum 1.7.2018 sollte man hier sogar kostenlos laden dürfen. Leider standen auf den Ladeparkplätzen zwei Benziner. O.K., auf dem Bürgersteig hinten dran war noch ein wenig Platz, von wo aus man auch das Kabel der Ladesäule erreichen konnte. Alles schnell verkabelt Start drücken und … “Bitte Ladekarte an den markierten Punkt halten”. Ladekarte ? Steht nicht auf der Säule, man könne kostenlos laden ? Alles hin und her brachte nichts, man benötigte eine Karte. Mittlerweile wusste ich durch eine Internetrecherche, dass man an öffentlichen Ladepunkten “barrierefrei”, also auch als Durchreisender ohne jeweilige Ladekarte laden können muss. Es gibt da wohl sogar eine EU Richtlinie, die das festlegt. Leider funktionierte auch das an dieser Säule nicht. Der eingescannte QR Code führte auf eine Website, auf der alle Ladesäulen des entsprechenden Dienstleisters in ganz Deutschland verzeichnet waren. Eine Suche nach der Säule, vor der wir gerade standen, brachte dann zwar die tolle Information, dass die Säule in einem Abstand von 0 km zu finden sei, zu einem Bezahlsystem wurde man allerdings nicht weiter geleitet. Schade eigentlich. Kummer gewohnt habe ich die Telefon Notrufnummer gewählt, die auf der Säule drauf stand. Es war eine Störungsstelle der Stadtwerke Ulm aufgeschaltet, auf der man auf Wasserrohrbrüche und Stromausfälle vorbereitet ist. Bei einer “nicht funktionierenden Ladesäule” konnte uns der nette Mitarbeiter am Telefon auch nicht weiter helfen. Er tippte auf ein Softwareproblem und empfahl uns, mal die nahe gelegene Ladesäule in der Dreiköniggasse zu testen. Die sei allerdings vom gleichen Typ. Wenn’s nicht klappt, könnten wir ja nochmal anrufen. In der nahe gelegenen Dreiköniggasse angekommen, mussten wir leider feststellen, dass man an dieser Säule genauso wenig laden konnte, wie an der anderen.

kostenloses Laden in Ulm war leider nicht möglich
kostenloses Laden in Ulm war leider nicht möglich

Der nochmal angerufene Mitarbeiter der Stadtwerke hatte allerdings mittlerweile eine Ladesäule im Parkhaus am Rathaus in Ulm ausgemacht. Dort gäbe es einen Pförtner, der einem bei Bedarf mal eine Ladekarte ausleihen würde, damit man von Ulm wieder wegkommen kann. Da wir nur noch begrenzt Reichweite hatten, sind wir also erstmal zu Fuß zum Parkhaus gelaufen und haben die Lage gepeilt. O.K. hier gab es einen netten Pförtner. Der wartete schon auf uns und hatte gerade mit dem Stadtwerkemitarbeiter telefoniert. Wir haben dann schnell unser E-Auto in der Dreiköniggasse abgeholt und sind zum Parkhaus am Rathaus gerollt. Von den 4 Ladepunkten im Parkhaus war sogar noch genau ein einziger frei. Glück gehabt. Schnell noch beim Pförtner vorbei gehen, der kommt mit, schwärmt von der Elektromobilität als der großen Zukunftstechnik und hält die Ladekarte vor das Lesegrät. Endlich kann es losgehen mit dem Laden. Eine Stunde sind wir mittlerweile schon in Ulm. Die Ladestelle liefert sagenhafte 11kW und die Anzeige in der ZOE zeigt eine Ladezeit von 4h50min an.

langsames Laden im Parkhaus am Rathaus in Ulm mit nur 11kW.
langsames Laden im Parkhaus am Rathaus in Ulm mit 11kW.

Das darf nicht wahr sein, wir müssen Ulm jetzt wohl sehr gut kennen lernen. Ruhe bewahren ist jetzt angesagt. Geduld ist eine Tugend. Immerhin hat Ulm eine sehr schöne Innenstadt und der Turm des Ulmer Münsters als höchster Kirchturm der Welt bietet schon ein wenig Zeitvertreib.

Als Elektromobilist lernt man das Land kennen. Blick vom Ulmer Münster.
Als Elektromobilist lernt man das Land kennen. Blick vom Ulmer Münster.

Nach zwei Stunden war es dann aber schließlich genug und die Reise wurde mit halber Ladung fortgesetzt. An der Autobahn bei Gruibingen sollte es noch eine Station geben, mit der man mit 22kW würde laden können. Auch das klappte leider nicht, da die Station nur in Fahrtrichtung München vorhanden ist. Der nächste Anlaufpunkt wurde daher ein Parkhaus in Innenstadtnähe von Kirchheim unter Teck am Fuße des Aischelbergs. Hier ist man zwar schon hundertmal vorbei gefahren, die wunderschöne Altstadt sieht man erst, wenn man als E-Mobilist hier strandet.

Schönes Fachwerk in Kirchheim unter Teck
Schönes Fachwerk in Kirchheim unter Teck

Alles hat immer auch sein Gutes. Die Ladestellen der Stadtwerke Kirchheim unter Teck boten kostenlosen Strom und sogar eine Ladeleistung von 22kW. Die erste Ladestelle, die wir probiert haben, hat allerdings erstmal nicht funktioniert. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wollte die ZOE nicht laden. Dem Wahnsinn schon ein erhebliches Stück näher gekommen habe ich schließlich noch die benachbarte Ladestelle getestet und … siehe da, wir konnten laden. Ladezeit 2 Stunden. Klasse. Raus aus dem Parkhaus und rein in die Altstadt von Kirchheim, wo gerade ein Fest stattfand, mit vielen Ständen und sogar einer Liveband. Die 2 Stunden vergingen wie im Flug und wir hatten endlich ein voll geladenes Elektroauto. Die Heimreise nach Rüsselsheim konnte beginnen. Die Bordsoftware des ZOE Navigationssystems riet uns, – wie schon in Siegsdorf – noch eine weitere Ladestation mit einzuplanen, da die Ladung angeblich nicht ausreichen würde. Wie schon beim ersten Mal habe ich die Warnung ignoriert. Mit extrem zurückhaltender Fahrweise und einigem Bangen gelang es schließlich mit einer Restreichweite von 17km – die Farbe der Reichweitenanzeige hatte sich mittlerweile in ein warnendes ROT verwandelt – wieder in Rüsselsheim anzukommen. Es war geschafft. Die erste längere Tour durch Deutschland mit dem Elektrofahrzeug war geschafft. Um 23:30 Uhr Abends hatten wir unser Ziel erreicht.

Fazit:
Elektromobilität ist toll, hat sehr viele Vorteile gegenüber Verbrennungsmotoren und wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durchsetzen. Davon bin ich überzeugt. Im Autoland Deutschland ist Elektromobilität derzeit allerdings nicht gewollt, da die deutsche Automobilindustrie zu viel Angst vor dem anstehenden Strukturwandel hat. Man redet sich noch gegenseitig ein, dass das mit den E-Autos eh nicht klappe und macht entsprechend alles dafür, dass es auch so aussieht, als funktioniere es nicht. Die oben geschilderten Schwierigkeiten sind allerdings so idiotisch und so offensichtlich, dass sie sicherlich in Kürze beseitigt werden. Dann fällt auch der letzte Grund weg, nicht auf Elektromobilität umzusteigen. Es bleibt zu hoffen, dass die Deutsche Autoindustrie hier nicht dem Schicksal von Kodak oder Nokia entgegen sieht und dem Strukturwandel gewachsen sein wird.  Es ist immerhin eine der deutschen Schlüsselindustrien. Dass man als Rüsselsheimer mit einem französischen Elektroauto unterwegs sein muss, sagt schon einiges über den Zustand des ortsansässigen Autoherstellers, der folgerichtig aktuell wieder in immer neue Turbulenzen gerät.

4 thoughts on “Elektromobilität in Deutschland, ein Erfahrungsbericht

  1. Wenn man das liest, wird einem erst klar, wie verwöhnt man als Tesla Fahrer ist.
    Das elektromobilität auch einfach funktionieren kann habe ich in meinem Blog dokumentiert.

  2. Hey liebes pvBüro,
    ein sehr interessanter Beitrag. Ich kann euch für die Zukunft die Maingau-Karte empfehlen. Ist kompatibel mit vielen Anbietern (auch E.ON und EnBw). Ist aber eher was für kurze Ladungen da mit deren Tarif minütlich abgerechnet wird.

    Viele Grüße aus dem Sonnenwerk

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