Journalismus und das EEG

Nachtrag Stand 06/2012: Seit den Diskussionen um das Solaraustiegsgesetz 2012 und der entsprechenden medialen Flankierung ist dieser nachfolgende Artikel von 2010/2011 aktueller denn je. Die nachfolgend dargestellten Vorgehensweisen und Diskussionen wurden nach Fukushima lediglich nur kurz ausgesetzt.

12.02.2011

In unserem Blog haben wir schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es Interessensunterschiede gibt zwischen der konventionellen Energiewirtschaft (Atom, Kohle) und den dezentralen Erneuerbaren Energien. Die Erneuerbaren Energien haben viel schneller und viel stärker zugenommen, als man sich das noch vor zehn Jahren vorstellen konnte, die konventionelle Energiewirtschaft verliert spürbar Marktanteile und wehrt sich mit Händen und Füßen. Die Anstrengungen und Kreativität, diese stark wachsende Branche zurückzudrängen, sind beträchtlich, es läuft bislang alles nach Plan. Interessant ist hierbei die Rolle der Printmedien, die aufgrund zunehmender Online-Konkurrenz und abnehmender Abonnentenzahl verstärkt in die wirtschaftliche Abhängigkeit von Anzeigenkunden gerät …

Betrachtet man die Energiepolitik über einen langen Zeitraum, zeigt sich, dass das EEG und die dezentralen Erneuerbaren Energien seit Beginn an aus Sicht der konventionellen Energiewirtschaft ein lästiges Übel waren, gegen das bereits kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes juristisch angegangen wurde. Da der Versuch, das Gesetz auf europäischer Ebene zu kippen, im Jahr 2001 misslang und stattdessen einige Jahre später das Modell des EEG durch die EEG Richtlinie 2009 ausdrücklich bestätigt und letzte europarechtliche Zweifel ausgeräumt wurden, mussten andere Wege gefunden werden. Dies waren über Jahre z.B. wiederholt in die Medien gebrachte Studien von RWI oder Mc Kinsey, in denen auf die wachsenden Kosten durch das EEG hingewiesen wurde. Dass die in den Medien veröffentlichten Zahlen, die den Anschein erweckten, als fielen diese unmittelbar und auf einmal an, Kosten waren, die über 20 Jahre hochgerechnet wurden, was im Gegenzug mit Stromrechnungen oder Telefonrechnungen keiner machen würde oder die RWI Studie von Herrn Dr. Frondel von einer Lobbyorganisation der US-amerikanischen Öl- und Kohlekonzerne finanziert wurde, spielte in den Zeitungsberichten keine Rolle. Dass das RWI selbst nachweislich finanziert wird durch die “Freunde und Förderer des RWI”, deren Präsident der Finanzvorstand eines bekannten, großen Energiekonzerns ist, war ebenfalls den gängigen Zeitungsartikeln eigenartigerweise noch nie zu entnehmen.

Video in voller Größe (mit Link auf die 2 Nachfolgefilme)

Ab Ende 2009 verstärkte sich die Diskussion um die Erneuerbaren Energien, sowie die Diskussion um eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Im Sommer 2010 erschien in sämtlichen großen Tageszeitungen eine kostspielige doppelseitige Anzeige, die der Bundesregierung dringend den Ausstieg aus dem Ausstieg nahelegte. Bereits im Oktober (!) 2010 wurde die Laufzeitverlängerung aller 17 deutschen AKWs beschlossen. (Nachtrag 2012: Nach Fukushima wurde diese zurückgenommen und 8 Alt-AKWs abgeschaltet)  Ebenfalls im Oktober 2010 gewann die Diskussion um die Erneuerbaren Energien an Schärfe und seit mittlerweile 5 Monaten halten sämtliche großen Tageszeitungen an einem medialen Trommelfeuer im 2-3 Tagesabstand gegen die Erneuerbaren Energien, gegen das EEG und die Photovoltaik fest.

Dass die Grundlage der Berechnung der EEG-Umlage 2011 rein auf Prognose Zahlen beruht und nicht auf Realzahlen, erfährt die Öffentlichkeit nicht. So liegt die Prognose, auf der die Berechnung der EEG-Umlage beruht, bei 9,5 GW Photovoltaik (Foliensatz ÜNB S.16), während die realen Zubauzahlen 2010 bei ca. 6-7 GW liegen. Der endgültige Stand bis zum 31.12.2010 ist von der Bundesnetzagentur noch nicht bekannt gegeben, zum Stand November 2010 lag er etwas über 6 GW, danach war aufgrund des massiven Wintereinbruchs ein starker Zubau nur noch sehr eingeschränkt möglich. Dass die reinen EEG-Kosten von 2010 auf 2011 (Foliensatz S. 25) selbst unter Zugrundelegen dieser zu hoch angesetzten Prognose-Zahlen real nur um 38% gestiegen wären und nicht um 70%, um die die EEG-Umlage zum 01.01.2011 tatsächlich erhöht wurde, bleibt von sämtlichen Journalisten unhinterfragt. Dass diese Differenz mit einer Änderung der Berechnungsgrundlage zusammenhängt, ist ein Sachverhalt, der ebenso vergeblich in den Medien zu suchen ist.
Nachtrag Stand Juni 2012: Der reale Anstieg der EEG-Vergütungen von 2010 auf 2011 ist mittlerweile bekannt und für jeden nachprüfbar: Er betrug nur 29%! Keine 70%, um die die EEG-Umlage für die Bürger tatsächlich erhöht wurde – begleitet von nonstop PV-Bashing ….

Dass der so laut beschworene Netz-Kollaps durch Solarstrom in einem Photon-Interview mit Herrn Kohler technisch-wissenschaftlich nicht belegt werden konnte und die DENA, dessen Chef Herr Kohler ist, keine unabhängige Agentur ist, sondern zu 50% von der Energiewirtschaft und hierbei überwiegend von den vier großen Stromkonzernen RWE, e.on, EnBW, und Vattenfall finanziert wird, konnte den in allen Zeitungen erschienenen Berichten über das Netzkollaps-Szenario ebenfalls nicht entnommen werden.

Stattdessen wurde im Januar 2011 der interessierte Zeitungsleser darauf aufmerksam gemacht, dass der Sachverständigenrat für Umweltfragen einen Deckel von 1 GW für Photovoltaik fordert. Dass im gleichen SRU Gutachten gefordert wurde, die Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht zu verlängern, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen, auf Kraft-Wärme-Kopplung zu setzen und den Weg zu 100% Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien anzustreben, war in den flächendeckenden Veröffentlichungen nicht lesbar.

Während dieser eine Punkt des SRU-Gutachtens in den Medien ausgiebig thematisiert wird, werden andere Gutachten oder Ergebnisse, wie z.B. der Bundesnetzagentur oder des DIW, nur am Rande erwähnt oder journalistisch nicht erfasst. Interessanterweise kommen diese Institutionen zu ganz anderen Ergebnissen und stellen dar, dass die EEG-Umlage nicht in diesem Maße verantwortlich gemacht werden kann für die erneute Strompreissteigerung und dass im Gegenteil die Erneuerbaren Energien preissenkende Effekte für den Strompreis mit sich bringen. Claudia Kemfert vom DIW schlussfolgert, dass ohne den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien ein deutlich stärkerer Anstieg der Strompreise um 20 Prozent zu erwarten sei.

Ist die Einseitigkeit der Berichterstattungen in nahezu allen Magazinen und Tageszeitungen Zufall oder Absicht? Darauf muss sich jeder selbst die Antwort geben.

Hermann Scheer sprach von einem “Systemkampf”, der zwischen der konventionellen Energiewirtschaft und der dezentralen Erneuerbaren Energiebranche ausbrechen wird, sobald der Verlust der Marktanteile größere Anteile einnimmt. Diesem Punkt nähern wir uns und das ist ein Kampf mit sehr ungleichen Mitteln. Mit ausreichend finanziellen Mitteln können PR-Agenturen engagiert werden, die gezielt in Form der sogenannten PR-spezifischen “orchestrierten Kommunikation” arbeiten. Durch das gleichzeitige Anwenden unterschiedlichster PR-Mittel in Print-Medien, TV, Blogs etc., können Themen gesetzt, die Wirksamkeit einer Botschaft in der Öffentlichkeit gesteigert und kreative Lösungen gefunden werden, Einfluss auf die Meinungsbildung der Öffentlichkeit zu nehmen. Die Originalunterlagen der beauftragten Düsseldorfer Kommunikationsagentur, die die Herbeiführung der Laufzeitverlängerung vorbereitete, sind ein eindrucksvolles Dokument über Vielfalt und Kosten der tatsächlich zur Anwendung gekommenen Mittel. Man sollte nicht dem naiven Glauben verfallen, dass die Methoden „zur Abwehr der Photovoltaik“ andere sind. Eine Schnellübersicht verwendeter PR-Instrumente finden sich auch in „Journalismus wird immer mehr zur Kommentierung von PR-Marketing“, einer Analyse von Prof. Dr. Thomas Leif, Chefreporter SWR Mainz.

Dass die größte deutsche Presseagentur mittels einer Tochterfirma mit einer der größten deutschen PR-Agenturen Europas eine Kooperation, bzw. eine gemeinsame Firma hat – was den Wenigsten bekannt sein dürfte -, unterstützt diesen Prozess zusätzlich.

Mit ausreichend finanziellen Mitteln und starken Lobbyverbänden können “externe Mitarbeiter” in Ministerien an Gesetzesentwürfen mitwirken, Studien finanziert, die gewünschte Ergebnisse bringen, Anzeigen geschaltet werden, Schlagzeilen mittels “agenda setting” bestimmt oder auch Talkshowgäste geschickt werden. Selbst im Internet themenspezifische Newsseiten, Foren und Blogs gezielt aufzusuchen und von bezahlten Mitarbeitern mit z.T. wechselndem Benutzernamen und e-mail- Adressen eine Vielzahl an inhaltsgleichen Forenbeiträgen verfassen zu lassen ist kein Tabu mehr im Rahmen heutiger, effizienter PR-Strategien. Vor letzterem kann auch der Kommentar-Bereich dieses Blogs nicht gefeit sein, wie wir leider selbst feststellen mussten (siehe Nachtrag). Im Sinne eines seriösen Meinungsaustauschs bitten wir hier ausdrücklich um Quellenangaben und Links, worauf in diesem Artikel ebenfalls großen Wert gelegt wurde.

Es ist Zeit aufzuwachen. Der BSW täte gut daran, sich weniger mit Quartalszahlen oder erneuten Vergütungskürzungen zu beschäftigen. Die Lage ist ernst.

“Und wenn alle anderen die … Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten –, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.”

George Orwell, 1984

NACHTRAG DER REDAKTION (13.03.11): Bereits ab den ersten Morgenstunden des ersten Werktags nach der Veröffentlichung des Blog-Posts am Wochenende kamen Kommentare (siehe im Anschluss des Blogartikels weiter unten), die inhaltlich und in ihrer Wortwahl ziemlich genau das wiedergaben, was den Schlagzeilen des medialen Trommelfeuers der letzten Monate gegen die EEG-Umlage, das EEG und die Photovoltaik entsprach. Die sehr schnellen Reaktionen verwunderten uns, da außer wenigen Bekannten von uns noch keiner informiert war über die Veröffentlichung und der gleichzeitig mit dem Blog-Post ins Netz gestellte Kurzfilm hingegen noch keine zwanzig Aufrufe hatte. Nach der versuchten persönlichen Kontaktaufnahme anhand der angegebenen mail-Adressen stellte sich folgender Sachverhalt dar:

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HANS”: Die angegebene mail Adresse war ungültig (in diesem Kommentar standen die inhaltlichen Bezüge zu den USA und die englisch-amerikanisch anmutende Grammatik und Rechtschreibung auch in einem auffälligen Gegensatz zu dem sehr deutsch klingenden Namen der angegebenen mail-Adresse …)

JOSEF”: Dieser Schreiber meldete sich mit mehreren mail-Adressen an, ebenfalls ungültig.

HERBERT”: Dieser Schreiber meldete sich ebenfalls mit einer ungültigen mail-Adresse an, die sehr ähnlich war zu den verwendeten von „Josef“.

MARTIN: Bei diesem Kommentator, dessen Zeilen u.a. durch unbelegte Behauptungen (20% Rendite usw.) geprägt waren, handelte es sich nicht um einen Martin. Die tatsächliche Inhaberin der angegebenen mail-Adresse, zu der es gelang, persönlich Kontakt aufzunehmen, ist eine ältere Dame, die Leiterin einer katholischen Kita ist. Sie hatte sich nie mit Energiepolitik beschäftigt, wusste kaum, was Photovoltaik ist oder ein Blog, geschweige denn, wie man diesen kommentiert. Sie war völlig entsetzt und vor den Kopf gestoßen, dass ihre berufliche mail-Adresse von einem Fremden missbraucht wurde. Ihre mail-Adresse erschien lediglich wenige Tage zuvor im web aufgrund einer neuen Internetpräsenz ihres Arbeitgebers.

Josef“ hat nochmals mehrmals versucht, mit mehreren ungültigen mail-Adressen, die fast identisch waren, Kommentare abzugeben, in dem er u.a. mit den gleichen Argumenten und Zahlen und Insider-Details (PV-Zubauzahlen von Juli 2009 bis Juli 2010) argumentiert, wie im Kommentar des angeblichen „Martin“ zu lesen war, dessen mail-Adresse in Wirklichkeit der bereits beschriebenen völlig unbeteiligten älteren Dame gehört, zu der wir persönlich Kontakt aufnahmen. Es muss davon ausgegangen werden, dass es sich bei „Josef“ und „Martin“ um ein und dieselbe Person handelt …. Aufgrund der Ungültigkeit der mail-Adresse wurden die weiteren Kommentare von „Josef“, bzw. „Herbert“, wie er sich dann mit der gleichen mail-Adresse auch noch nannte, nicht mehr im Blog-Post veröffentlicht.

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Ergebnis: Hinter KEINER der weiter unten zu lesenden Anti-EEG-Kommentare stand eine real existierende Person. Es waren zu 100% Fakes. Es gab noch weitere Kommentare dieses Tenors, die ebenfalls mit ungültigen mail-Adressen veröffentlicht waren. Identifizierbare Fakes wurden von uns nicht mehr freigeschaltet. Nachdem wir aufgrund dieser Fake-Erfahrungen die Möglichkeit anonym zu posten, einschränkten und Kommentatore nur veröffentlichbar sind, wenn die von ihnen angegebene mail-Adresse und Identität bestätigt wurde, endeten diese auffällig schnell erschienenen Kommentare, die große Ähnlichkeiten zu den oben zitierten Schlagzeilen der Printmedien aufwiesen, augenblicklich ….

Der letzte dieser EEG-Bashing-Kommentare war am 13.03.11. Danach gab es solche Kommentare nicht mehr. Genauso, wie die aggressiven Schlagzeilen gegen EEG und PV zum gleichen Zeitpunkt vorerst schlagartig abrissen. Vom 12. bis zum 15. März ereigneten sich mehrere Explosionen und Brände in den Blöcken 1, 3 und 4 im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi

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Handelt es sich hier um einen demokratischen Diskurs? Die angewandten Methoden stimmen nachdenklich.

PR-Agenturen geben Anleitungen (Seite 11 ff.), wie durch “Integration von social media in der Kommunikation” mit Hilfe von Alert-Diensten, Twitterbeep etc. sämtliche News, Blogs, Videos, Gruppen im web, in denen die ausgewählte Marke oder der ausgewählte Schlüsselbegriff vorkommt, im Auge behalten und unmittelbar reagiert werden kann…

Die Effizienz dieser Methode können wir anhand der mit diesem Blog-Post gemachten Erfahrungen nur bestätigen.

noch mehr zum Thema …

Mehr Cash für Strom, Strompreiserhöhung nicht unbedingt notwendig, nano, 3sat 27.01.2011

Strommarkt: Wie die Konzerne optimieren – Focus 04.02.20011

nur der Sündenbock, Recherche zur Strompreiserhöhung, photovoltaik-Magazin Januar 2011

Journalismus und PR-Marketing: Eine Analyse von Chefreporter Dr. Thomas Leif, SWR Mainz

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15 Kommentare zu “Journalismus und das EEG

  1. Man solte aufhören sich hier ständig selbst etwas vorzumachen.Der jüngste Boom rührte ja keineswegs daher, daß Photovoltaik jetzt schon kostengünstig ist, sondern ist Folge der Überförderung in Deutschland nach den massiven Preissenkungen in Folge des Zusammenbruchs des spanischen Marktes Anfang 2009. Das mehr als die Hälfte der zur Zeit ihn Deutschland installierten PV-Anlagen zwischen Juli 2009 und Juli 2010 in Betrieb gingen, in einer Phase also als die Relation von Modulpreisen zu Einspeise-Vergütung Renditeerwartung von ca. 20 % mit auf 20 Jahre garantierter Vergütung versprach, brachte das EEG außer Kontrolle, und war der wesentliche Grund für den starken Anstieg der EG-Umlage auf jetzt 3,53 Cent pro KWH. Da diese Umlage unsinniger Weise für die Endverbraucher auch noch mit der Mehrwertsteuer belastet wird ,ergibt sich damit eine Belastung von 4,2 Cent im nächsten Jahr. Ein weiterer jährlicher Anstieg in der Größenordnung der letzten beiden Jahre ist nicht mehr vertretbar, und wird schnell zu Akzeptanzproblem führen, da helfen naive Träumereien nicht weiter. Nötig ist ein schlüssiges Konzept wie viel Zubau kann Deutschland in den nächsten 10 Jahren mit halbwegs vertretbare Belastung der Endverbraucher umsetzen. Und natürlich muss auch beachtet werden, wie hoch ist die maximale Kapazität der derzeit zur Verfügung stehenden Netze, die auch kurzfristig nicht wesentlich erhöht werden können.. Es macht keinen Sinn die jetzt sehr schnell zu immer noch sehr hohen Kosten zu zubauen. Und sich dann zu wundern, daß der Einspeisevorrang bei Erreichen der von der DENA genannten maximale Kapazität von 50 GW für PV aus technischen Gründen gekippt wird,weil Photovoltaik dann an Wochendenen im Sommer über Mittag den kompletten Strombedarf in Deutschland abdecken würde

  2. Nun man muss unterschieden zwischen den Kosten für die Einspeise-Vergütung und den Differenzkosten für die EEG-Umlage. Durch den starken anstieg des Anteils von Photovoltaik sind die überproportional gestiegen , weil Photovoltaik immer noch erheblich höhere Differenzkosten verursacht als alle andere über das EEG geförderten Energien .
    Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Interview vom 21.01.2011 mit Matt Chaney einem der Berater von US-Präsident Obama im Bereich erneuerbarer Energien, ersate zu dere aktuellen Einwiclung in Deutschland folgendes: „Meine Empfehlung wäre, den Einspeisetarif auf ungefähr 15 Cent je Kilowattstunde zu halbieren. Dann sehen wir, was passiert. Dies würde uns einen besseren Eindruck davon vermitteln, wie robust der Markt in Deutschland mit einer Vergütung in dieser Größenordnung sein kann. Ich sage nicht, dass dies die exakt richtige Zahl ist. Aber ich sage, dass es beim jetzigen Stand eine unkontrollierbare Nachfrage. Und dies wäre weitaus besser als eine Deckelung des Zubaus. Wenn der Zug in voller Fahrt auf eine Entgleisung zusteuert, dann sollte man ihn stoppen.

  3. Hallo Hans
    Sie haben bei Ihrer Betrachtung einen zentralen Punkt, den Merit Order Effekt nicht berücksichtigt.
    Es stimmt, dass die Photovoltaik im EEG Umlagepaket die höchsten Differenzkosten verursacht, durch den Merit Order Effekt aber durch den enormen Zubau immer mehr zum Motor innerhalb des börsenpreissenkenden Effektes wird. So hat die preisgünstigste Komponente, im Umlagepaket, der Windstrom schon öfter für Negativpreise an der Börse gesorgt, während laut einer Arrhenius Untersuchung z.B. am 8 Juli letzten Jahres zwischen 13 und 14 Uhr in der einen Stunde konventionelles Kraftwerksvolumen zwischen 320 000 und 490 000 Euro eingespart wurde.
    Sonnenstrom ist von den unregelmäßigen erneuerbaren Quellen noch der kalkulierbarste.
    Das Folgende habe ich im Zusammenhang mit einer „Deckeldiskussion“ in einem Internet Forum gelesen.
    Zitat: Korrekt betrachtet finanzieren sich zur Zeit die PV Kosten zum Teil noch selbst, in dem sie sich durch den Merit Order Effekt einen Teil am „Gewinnkuchen“ der konventionellen Kraftwerke abschneiden. Das sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie von einem gegenwärtigen sehr teuren Ausbau der PV sprechen.
    Innerhalb des von Ihnen ins Auge gefassten, zukünftigen, vollständigen aus Erneuerbaren bestehenden Strommixes, wird durch auslaufende Vergütungen und die erhöhte Degression, die PV eine wesentlich kostengünstigere Rolle spielen, als derzeit anzunehmen ist.
    Zusammenfassend sage ich, solange wir noch konventionelle Kraftwerke am Netz haben, hat die gegenwärtig relativ teure PV, die Möglichkeit durch den Merit Order Effekt, zumindest Kosten mindernd auf den Markt einzuwirken und damit ihren eigenen Wert zu erhöhen. Erst im Mix mit 100% Erneuerbaren, wird PV kostenmäßig voll zu Buche schlagen. Dann muss man sehen, was in Folge der oben genannten Entwicklung kostenmäßig noch übrig bleibt. . Wenn man PV gegenwärtig deckelt, tut man lediglich denjenigen einen Gefallen, die ihren übermäßigen „Gewinnkuchen“ noch lange erhalten wollen. Zitat Ende.

  4. Für die Berechnung der EEG-Umlage gibt es gesetzlichen Grundlagen. Und es war letztlich die eine Entscheidung der damaligen Rot-Grünen Regierung diese Differenzkosten über die EEG-Umlage auf die Endverbraucher umzulegen, und nichr über Steuermittel zu finanzieren. Da zu gibt es jetzt auch Reglungen zur Vermarktung von Strom der über das EEG gefördert wird . Photovoltaik ist im Unterschied zu Windenergie aber noch weit davon entfernt hierzu einen Beitrag zu leisten

  5. Hallo,

    @Josef,
    mitnichten ist die PV in Deutschland weit davon entfernt, einen Beitrag zu leisten – ueber das SMA-Webportal koennen Sie sehr leicht erkennen, dass an einem sonnigen Tag viele (teils ueber 10) GW Leistung eingespeist wird.
    http://www.sma.de/de/news-infos/pv-leistung-in-deutschland.html
    Das ist alles andere als Peanuts…

    Zur Thematik des Journalismus fehlt mir immer wieder der Hinweis auf den Merit-Order-Effekt, der kleinlaut verschwiegen wird. Das hier gezeigte Video zeigt wunderbar auf, das es mit der Unhabhaenigkeit der Medien nicht weit her sein kann. Gerade dazu sollten die Medien Stellung beziehen oder zugeben, dass ihre Arbeit interessengesteuert und nicht „ergebnisoffen“ ist.

    Ein sehr gelungener Beitrag zur „Medienlandschaft“ Deutschland. Eine Aehnlichkeit zu der traurigen Situation in den U.S.A. (FoxNews), Weissrusland oder juengst in Tschechien tut sich hier auf. Zum Glueck koennen wir uns wenigstens auf dieses Medium internet verlassen.

  6. @HY-FY: Sie haben nicht verstanden , das es um Vermarktung geht . Dazu liefert Photovoltaik derzeit 0 Beitrag, weil Photovoltaik immer noch viel zu teuer ist. Mag ja sein das Photovoltaik in 10 oder 20 Jahren konkurrenzfähig mit Onshore-Windenergie wird . Derzeit ist noch weit davon entfernt. Und in Studien zur Merritorder gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf dass Photovoltaik dazu einen Beitrag geleistet hat . Sich immer mit den fremden Federn von Wasserkraft und Windenergie schmücken zu wollen wirkt wenig überzeugend

  7. Bei allen Diskussionen um das Ansteigen der EEG Umlage, sollte man nicht vergessen, dass die Neureglung ab 2010 bei der Ermittlung der Umlage ein „Lobbyistisches Meisterwerk“ seitens der Stromwirtschaft ist. Für die Verbraucher und die Akzeptanz in der Gesellschaft eine Fehlkonstruktion, mit diskreditierenden Folgen, wie man auch an der öffentlichen Wahrnehmung erkennen kann.
    Tatsache ist, dass die Umlage aus der Differenz zwischen Börsenpreis und Vergütung entsteht.
    Tatsache ist aber auch, dass EEG Strom den Börsenpreis senkt, ( neue DIW Studie ) und somit den „Mitnahme Effekt“. für die unter Börsenpreis produzierenden – aber zum jeweiligen Börsenpreis bezahlten – konventionellen Kraftwerke erheblich schmälert.
    Mit anderen Worten, zuerst senkt EEG Strom den Börsenpreis, erhöht dadurch den Abstand zur Vergütung, was dann zu einer höheren Umlage führt.
    Fazit: Den Verlust, den die Kraftwerksbetreiber, durch EEG Einspeisung ausgelösten niedrigen Börsenpreis erleiden, holen sie über die höhere Umlage von den Verbrauchern wieder rein, und machen zu dem noch Stimmung gegen das EEG damit.
    Es bleibt zu hoffen, dass der Markt irgendwann mal funktioniert, und die durch EEG Strom verursachten niedrigen Börsenpreise bei den Verbrauchern ankommen.

  8. Sie haben nicht verstanden , das es um Vermarktung geht . Dazu liefert Photovoltaik derzeit 0 Beitrag, weil Photovoltaik immer noch viel zu teuer ist. Mag ja sein das Photovoltaik in 10 oder 20 Jahren konkurrenzfähig mit Onshore-Windenergie wird . Derzeit ist noch weit davon entfernt. Und in Studien zur Merritorder gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf dass Photovoltaik dazu einen Beitrag geleistet hat . Sich immer mit den fremden Federn von Wasserkraft und Windenergie schmücken zu wollen wirkt wenig überzeugend

  9. Im Sinne eines qualitativ hochwertigen, sachlichen und seriösen Meinungsaustauschs bitten wir alle Kommentatoren grundsätzlich um die Angabe von Quellen. Allgemein gehaltene Aussagen von möglichen Preisen, Kosten, Ausschlusskriterien, Auswirkungen, Entwicklungen oder Renditen möchten bitte vermieden, sondern Originalquellen als Link beigefügt werden. Herzlichen Dank.
    Desweiteren weisen wir daraufhin, dass das Kapitel Merit-Order in einem Nachfolgebeitrag gesondert betrachtet werden wird und auch hier auf intensive Recherchearbeit und das Verlinken der Originalquellen besonderen Wert gelegt werden wird.

  10. Daten zur monatlichen Installation können sie bei http://www.bundesnetzagentur.de/ finden . Danach sind zwischen Juni 2009 und Juli 2010 ungefähr zweidrittel aller derzeit in Deutschland installierten PV-Anlagen installiert worden, also in der Phase der starken überförderung.
    Die Daten zur Berchnung der EEG umlagen können sie http://www.eeg-kwk.net/de/484.htm entnehmen. Erlöse aus Vermarktung von Photovoltaik waren bisher 0 Euro.
    Aber diesem Blog geht es ofensichtlich mehr um Legendenbildung, als um sachlichen und seriösen Meinungsaustausch

  11. „Die oben genanten Zahlen über die die über die Installation im Zeitraum Sommer 2009 bis Sommer 2010 sind richtig, sie stimmen mit den Monatszahlen auf Webseite der Bundesnetzagentur überein . Aber offensichtlich geht es in diesem Blog nur um Legendbildung für eine kleine Solargemeinde , ohne jegliche Bereitschaft sich mit Sachargumenten auseinander zu setzten. Und das Märchen zu verbreiten Photovoltaik wäre jetzt schon kosten günstig“

  12. Hallo,

    das mit dem jährlichen Tamtam um die EEG-Umlage und dem dabei immer mitschwingenden Misskredit gegenüber Solaranlagen bzw. der Solarenergie ist meiner Meinung total ungerechtfertigt. Schließlich wird dabei voll und ganz vergessen, dass die großen Stromkonzerne eigentlich die Hauptverantwortlichen für die Höhe der EEG-Umlage sind!

    Grüße

  13. Das Tamtam hat schlicht Methode. Bei einer Wunschliste der konventionellen Energiewirtschaft einschließlich Lobbyvertretern außerhalb und innerhalb des Bundestags und Ministerien
    http://www.youtube.com/watch?v=rR7BdDxU8GU
    stünde die Abschaffung des EEGs und Vorrangregelung, bzw. die „Harmonisierung“ und Ablösung des EEGs durch ein Quotenmodell an vorderster Stelle. Vorstöße aus Brüssel, der Monopolkommission oder des Energiekommissars Öttinger sind Beispiele und ein Fingerzeig, welche Entwicklung versucht wird, zu forcieren. Der aktuell vom BMWI vorbereitete Schritt des 1 Gwp PV-Deckels wird voraussichtlich noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ziel der marktbeherrschenden Energiekonzerne und deren Sprachrohre war es seit Beginn an, die dezentrale PV komplett zu beenden und die Solar- und Windstromerzeugung in die eigenen Hände zu nehmen und somit verlorene Marktanteile zurückzuerobern.

    Da die alten Gegenargumente (PV ist technisch nicht ausgereift, will keiner, ist viel zu teuer ….usw.) angesichts der starken Verbreitung und Beliebtheit, sowie rasant gefallener Preise nicht aufrechtzuerhalten sind, kommt der Diskussion um die EEG-Umlage als „letzte Bastion“ eine besondere Bedeutung zu.Da beschwört ein Wirtschaftsminister Rösler selbst bei einer nur minimalen Steigerung in der zweiten Nachkommastelle der EEG-Umlage, dass diese Kosten die deutsche Wirtschaft bedrohen und nicht steigen dürfen, während gleichzeitig die Vergütung von Offshore-Windparks, die zu 70% in Hand der großen Energiekonzerne sind von 8,74 cent/kWh auf 15-19 cent/kWh erhöht wurde und große, neue Förderprogramme für Kohlekraftwerke vorbereitet werden. Das Spiel ist durchschaubar und es ist klar, wer hier erneut mittels „externer Berater“ im Wirtschaftsministerium seine Interessen durchsetzt.

    Unbemerkt von Otto-Normalverbraucher wurde weiterhin die Grundlage der EEG-Umlage dahingehend geändert, dass ab 01.01. 2012 noch mehr Industrieunternehmen von der EEG-Umlage befreit werden und sich die Kosten auf weniger Menschen, eben die Haushaltskunden aufteilen. Eine Erhöhung der Umlage für die restlichen „Zahler“ wird dadurch nicht nur wahrscheinlicher, sondern vermutlich unvermeidlich.
    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2011/1027/eeg.php5

    Bei den Vergütungen für die konzerneigenen Offshore-Windparks, die ja ebenfalls mittels EEG-Umlage finanziert werden, also fast eine Verdoppelung! Das ist in Anbetracht der aufgeregten Diskussionen über zu hohe EEG-Vergütungen, die sich bzgl. PV auch nach der x-ten Kürzungsrunde rituell wiederholen, absurd. By the way ….. Weder die dezentralen PV-Anlagen, noch die Binnenland-Windanlagen, bei denen ebenfalls Vergütungskürzungen stattfinden, sind zu 70% in Hand der großen Energiekonzerne … Es bleibt abzuwarten, ob in den Berichten im Oktober 2012 über eine mögliche zu erwartende Erhöhung der EEG-Umlage die Ausnahmeregelungen für die Industrie oder die Geschenke für Offshore-Windanlagen Erwähnung finden, oder ob das mediale Trommelfeuer wie in den letzten Jahren vor allem die PV im Fokus hat. Die PV Branche kann sich für 2012 auf sehr eisigen Wind einstellen.

  14. Ja, die journalistische Bearbeitung des Themas Energiewirtschaft im weitesten Sinne ist eigentlich zu einer bloßen Kommentierung von Pressemitteilungen großer Interessenverbände oder dem Zitieren von Verlautbarungen irgendwelcher diätengestützten Langzeitarbeitslosen (sog. Parteipolitiker) verkommen. Nach knapp 3 Monaten Studium der Energie- und Prozesstechnik weiß ich über die Zusammenhänge (gefühlt) mehr als dieser ganze Lobbysumpf mit seinem parlamentarischen Anhang in Summe aufbieten kann. Und das, obwohl ich den Großteil meiner Zeit mit Mathekursen und anderer Bolognabildung mit Soße (Bachelor) zubringen muss 😀

    Wir sind in dieser Beziehung leider gar nicht so weit von Japan entfernt, dessen Journalismus vor allem im Zusammenhang mit dem immer noch fortschreitenden Super-GAU in Fukushima gescholten wurde. Die Berichterstattung befinde sich dort zu sehr in einem bloßen Angestelltenverhältnis gegenüber Politik und Wirtschaft. Bei uns als der Vorbildsviergewaltendemokratie ist das natürlich total anders.

    Vielleicht bessert es sich nach und nach, wenn mit dem Energiesektor einer der Bereiche, die den Alltag der Bürger mit am stärksten prägen, von einer faschistoid-monopolistischen Geißelherrschaft in eine dezentral-demokratische Versorgungseinrichtung überführt wird. Vielleicht stirbt vorher aber auch die Hoffnung.

  15. Hallo,

    vielen Dank! Sie leisten eine beeindruckende Arbeit und ihre Recherche ist gründlich und neutral. Solch einen guten Beitrag zu den wahren Tatsachen habe ich schon lange Zeit nicht mehr gefunden !

    Mit freundlichen Gruessen
    Daniel Lehne

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